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		<title>August 2010</title>
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		<pubDate>Tue, 17 Aug 2010 10:49:56 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemeines]]></category>

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		<description><![CDATA[Dienstag, 31. August 2010 &#8211; Sechsuhrvier, neunkommasechs. Fast noch dunkel. Im Osten so ein rötlicher Streifen am Himmel. Ganz hübsch.
Gestern Abend in voller Länge und mit offenem Mund die Übertragung von Kochs Abschiedsfeier auf Schloss Biebrich geschaut. Fackeln, Märsche, Uniformen. Ein wahnsinnig unseriös aussehender Strolch des Kasseler Heeresmusikkorps singt Lieder von Udo Jürgens, der ebenfalls [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Dienstag, 31. August 2010</strong> &#8211; Sechsuhrvier, neunkommasechs. Fast noch dunkel. Im Osten so ein rötlicher Streifen am Himmel. Ganz hübsch.</p>
<p>Gestern Abend in voller Länge und mit offenem Mund die Übertragung von Kochs Abschiedsfeier auf Schloss Biebrich geschaut. Fackeln, Märsche, Uniformen. Ein wahnsinnig unseriös aussehender Strolch des Kasseler Heeresmusikkorps singt Lieder von Udo Jürgens, der ebenfalls im Publikum sitzt, und &#8211; wie man hört &#8211; seit Jahren mit den Kochs befreundet ist. Schauderhaft ist das alles, gespenstisch und unglaublich halbseiden. Und was für ein kulturelles Signal &#8230;<br />
Und das Hessenfernsehen entblödet sich nicht, diesen Mummenschanz zu übertragen. Als Zeugin dafür, was für ein guter Kerl der Verabschiedete sei, lässt man Ann Kathrin Linsenhoff ins Mikrofon stammeln &#8230; Sklavenjournalismus.</p>
<p>Gerade sehe ich, dass Ann Kathrin Linsenhoff 1960 geboren ist. Sehen wir denn <em>alle</em> schon so alt aus?</p>
<p>N.: &#8220;Merkst du es auch, wie schon jetzt an Kochs Heiligsprechung gearbeitet wird. In Kürze werden all seine Skandale vergessen sein und keiner will je was gegen ihn gesagt haben.&#8221;</p>
<p>Der neue Ministerpräsident, heißt es, werde selten in der Öffentlichkeit angetroffen, ohne dass er vorher etwas getrunken habe.</p>
<p>Durch mit dem Simenon.</p>
<p>Aber jetzt, um sechsuhrachtunddreißig, ist es bereits hell.</p>
<p>Lady Di ist tot.</p>
<p style="margin-top: 38px; text-align: left;">
<p><strong>Montag, 30. August 2010</strong> &#8211; Siebenuhrfünfunddreißig, neunkommavier. Gestern Abend um Viertel vor acht eingeschlafen, heute Morgen um Viertel vor sechs durch den Regen aufgewacht. Herrlich!</p>
<p>Gestern auf dem alten Bonameser Flugplatz, der inzwischen zum sonntäglichen Tummelplatz für die jungen und mittelalten Frankfurter Akademikerfamilien geworden ist.<br />
&#8220;Guck Mal&#8221;, sagt A., &#8220;da ist unser nächster Innenminister&#8221;.<br />
Tatsächlich steht dort der Staatssekretär R. mit seiner Familie.<br />
&#8220;Ich muss ihn kurz begrüßen&#8221;, sagt A. Und als er nach zehn Minuten wiederkommt: &#8220;Heute Abend wird entschieden, ob R. ins neue Kabinett kommt, aber sicher weiß er es noch immer nicht. Soll ich ihn Dir vorstellen?&#8221;<br />
Ich zögere kurz, dann sage ich nein. Man lernt einander in dieser Stadt sowieso meist früher kennen, als einem lieb ist.<br />
Dann sagt mir A., wen ich nun aber wirklich und unbedingt alles kennen lernen müsee &#8230;</p>
<p>Lektüre: Simenons &#8220;Der Mann mit dem kleinen Hund&#8221; &#8211; Hatte das Buch vor dreißig Jahren gelesen und vollkommen vergessen, wie unglaublich gut dieser Roman erzählt ist. &#8220;Wenn Simenon nichts anderes geschrieben hätte, er hätte das Seine getan&#8221;, schrieb Alfred Andersch.</p>
<p>Würde ich unverhofft diesem Sarrazin gegenüber stehen, ich würde wohl zum Lama werden. Mehr noch zu verachten ist allerdings der Verlag, der auf den erwartbaren Erfolg mit dem Buch dieses Schurken spekuliert hat.</p>
<p>Vor fünfundsiebzig Jahren starb Henri Barbusse.</p>
<p style="margin-top: 38px; text-align: left;">
<p><strong>Dienstag, 24. August 2010</strong> &#8211; Fünfuhrfünfundzwanzig, achtzehnkommavier. Scheißregen. Trotz Baldrian seit halbdrei wach.</p>
<p>Von Alf die Lösung per Mail:<br />
<em>&#8230;wenn du es noch nicht gefunden  hast.: Das T.S.Eliot-Zitat ist aus dem Gedicht &#8220;The Hollow Man&#8221;, das mit dem Joseph-Conrad-Zitat &#8220;Mistah Kurtz &#8211; he dead&#8221; (s.a. Apocalypse Now) beginnt und mit den Zeilen endet:<br />
This is the way the world ends<br />
Not with a bang but a whimper.</em></p>
<p>Gestern Morgen wiederwillig ins <em>Alte Café Schneider.</em> Ich warte und warte. Vergeblich. Blättere die <em>Vogue</em> durch, dann die Tageszeitungen. Alles voll mit Schlingensief, der ja zum Schluss ein wenig Ähnlichkeit hatte mit Ahmadinedschad. Dass er ein Provokateur gewesen sei, der von allen geliebt werden wollte, hört und liest man allerorten. Freilich, danach sahen seine Provokationen dann auch aus. Die erlösungshungrigen Feuilletonisten lagen ihm zu Füßen; in ihm fand das handzahme Muckertum seine Projektionsfläche. Und jetzt heißt es, dass so einer eigentlich gar nicht sterben dürfe, jedenfalls nicht wirklich &#8230;<br />
Dann im Regen über die Zeil zum Parkhaus, wütend und vollkommen durchnässt nach Hause.</p>
<p>In Manila stürmt die Polizei einen Bus, in dem ein ehemaliger Kollege fünfzehn Geiseln gefangen hält. Auf <em>ntv</em> und <em>N24</em> wird live übertragen. So kann man die Stümperei der Spezialkräfte in Echtzeit miterleben. Und dazu noch das haltlose Gequatsche der deutschen Fernsehleute. Sie wissen nicht mehr, sehen nicht mehr, hören nicht mehr als die Zuschauer, dürfen aber keinesfalls schweigen.</p>
<p><em>Fashion TV</em> wird nur noch über Satellit ausgestrahlt. <em>Thank you for watching</em>. Aber jetzt habe ich ja den <em>World Fashion Channel</em> gefunden. Der kommt über Kabel, ist genauso doof, aber mir kann nichts mehr passieren.</p>
<p>Abends im Fernsehen &#8211; wieder alles voll mit Schlingensief.<br />
Ich: Ich kann es nicht mehr sehen.<br />
Sie: Ist ja bald vorbei. Vorerst jedenfalls.<br />
Ich: Wie? Vorerst? Mach mir keine Angst!</p>
<p>Erst jetzt sehe ich, dass während unseres Urlaubs Luis Corvalán und Willem Breuker gestorben sind. Und Brigitte Schwaiger &#8211; ihre Leiche wurde in einem Nebenarm der Donau gefunden.</p>
<p style="margin-top: 38px; text-align: left;">
<p><strong>Dienstag, 17. August 2010</strong> &#8211; Elfuhrsechsunddreißig, sechzehnkomma- neun. (Aber erst Mal musste ich das Kabel des Außenthermometers reparieren.  Wach seit fünf. Regen, Wolken.</p>
<p>Heute Morgen im Netz unterwegs: Resistance /Maquis / Jean Moulin / Anna Marly, Le Chant des Partisans / Lucie Aubrac / Und zum ersten Mal von Otto Kühne gelesen, der 2700 Kämpfer des Mouvement Ouvriers International in der Provence anführte.</p>
<p>Im Autoradio gerade ein Stück aus der Feuerwerksmusik unter Gardiner gehört. Grässlich! Man möchte ihm Beine machen.</p>
<p>Französische Notizen:<br />
Grenzgebiet Saarbrücken / Forbach – Schmuggler, Wilderer? / Gravelotte / Verdun, Toter Mann, die Forts / Valmy, Moulin / Epernay / Ölvorkommen &#8211; Pumpen? / Im Hotel, ziemlich herunter gekommen, eine Vakuum-Toilettenspülung von Electrolux, die einen solchen Lärm verursacht, ein so lautes saugendes Geräusch &#8230; / Aber ein wunderschöner alter, riesiger Speisesaal und erstaunlich gutes Essen.<br />
Dann in der Bretagne, eine Woche am schönsten Ort der Welt, am Rande eines Dorfes, eine Lichtung am Bach, Trauerweiden, zehn Kilometer nördlich von Lanvollon / Fahrt nach Treguir &#8211; die schöne Kathedrale, das Grab von St. Yves, der brasilianische Priester am Eingang, die plaudernden Kirchenbesucher, gute, vitale Stimmung – Kreuzgang.<br />
Die Islandfischer – &#8220;Mur des desparus&#8221; in Ploubazlanec.<br />
Die Ortsnamen klingen hier zum Teil, als sei man in Vietnam.<br />
Die Landschaft vollständig anders als gedacht: alles noch im satten Grün – jetzt, Ende Juli – Täler, Höhenzüge, Ausblicke, mehr Allgäu als schroffe, karstig-flache Heide. Ein versunkenes Hochgebirge.<br />
Plage Bonaparte – dort sind die von den Deutschen abgeschossenen Piloten der alliierten Kampfflugzeuge von der Bevölkerung versteckt und nach England verfrachtet worden. Verirre mich zwischen den Höfen, zwei freundliche, ältere Herren, der eine bietet mir an, mit seinem Wagen vor mir her zu fahren.<br />
Menschenleer die Orte, das Vespapärchen, die Hunde hinter den Gattern, ab und zu ein Bauer, ein sabbernder Mann, der dich anstarrt. Nur die Alten und Versehrten bleiben da. Überall an den Häusern die Schilder: &#8220;A vendre&#8221;.<br />
Es fehlt vollständig das Erotische, das Bukolische des Mittelmeers. Hier herrschen das Kruzifix und der Friesennerz.<br />
Toter Baum, von Efeu überwuchert, simuliert Leben.<br />
Die winzigen Frösche am Leff. Tausende. Regnet es schon wieder? Nein, das sind die Wasserläufer. Wenn sie sich bewegen, sieht es aus, als würden Tropfen ins Wasser fallen.<br />
You drink Whisky with me, fordert mich der Mann aus seinem SUV heraus auf, den ich angehalten habe, um nach dem Weg zu fragen.<br />
Vierzehnachtzehn, dieser Krieg hat überall im Land so tiefe Spuren hinterlassen, dass sie noch heute sichtbar sind.<br />
Die Hunde werfen sich gegen die Gatter.<br />
Mitten im Nichts: Ein Ehrenmal, davor langstielige Rosen, Kränze. Gedacht wird der Ortsgruppe des Maquis von Plésidy.<br />
Roscoff – am Hafen, viele Touristen, aber wieder: gutes Essen. Auf dem Vorspeisenteller: Pétonche (Queen scalopps)???<br />
Als wir morgens abfahren wollen: Der Autofahrer auf dem Parkplatz des Hotels, hinter dem Steuer sitzend und mit einem weichen rosafarbenen Staubwedel ausdauernd die Armaturen seines Wagens entstaubend. Das Wunder: Die Frau an seiner Seite stirbt nicht vor Lachen.<br />
Les Calvaires / Die exaltierten Skulpturen in den Kirchen / Das grauenhafte Denkmal für die Frauen von Pont l’Abbé. Nur Demut, Trauer, Depression. Die Knechtung durch die Kirche hat offensichtlich jedes andere Selbstbild unmöglich gemacht.<br />
Überall diese Hohlwege, warum? Die Plastikplanen über den bepflanzten Böschungen – warum?<br />
Ein „Künstlerdorf“ – Das Todesurteil für jeden Ort.<br />
Ausstellung in Quimper: Meijer de Haan – Gaugin – Max Jacob, Boudoin. Interessant, die lokalen Ränder der Moderne.<br />
McDonalds am Point Ronde vor Pont l’Abbé.<br />
Connellys &#8220;Brass Verdict&#8221; – Grauenhaftes Buch, schlechte Dramaturgie, schwache Charakterzeichnungen. Aber eine schöne Formulierung: &#8220;To sell burnt matches&#8221;.<br />
Süleyman: Er war schmal, braun und gelenkig. Manchmal schlief er mit Männern, öfter mit Frauen und manchmal Monate lang mit gar niemandem. Er verlangte nicht danach, aber wenn ihm jemand Geld geben wollte, nahm er es an. Ein Otter. Ein Wesen zwischen Wasser und Land. Er hatte keine Vorlieben, was ihn umso mehr befähigte, auf die seiner Partnerinnen einzugehen. Er mochte es, andere zufrieden zu machen oder wenigstens ruhig. Alle wollten mit ihm schlafen, aber keine wäre auch nur auf die Idee gekommen, deshalb ihren Mann zu verlassen. Er schaut Fashion-TV.<br />
Nantes. Wie angenehm, nach all der bretonisch-katholischen Enge, hier ein wenig urbanen Freigeist zu spüren. Die Bombardierung. Das Edikt. Sklavenhandel. Gemäldesammlung. Jules-Verne-Museum. Die Viertel. Die Modegeschäfte &#8230; Sonia Rykiel. Und dann kommen wir doch tatsächlich am Nespresso-Magazin vorbei!<br />
Gibt es eigentlich einen Wikipedia-Download?<br />
Hotel de la Gare – Diese verlogene alte Hexe, die ihre Louisidors zählt. Ihr Mann, kaum das Kinn zum Gruß hebend. Die freundlich-verhuschten Zimmermädchen, die sich unter der Knute der Hexe zu ducken scheinen. Der schmierige, wieselige Kellner – alles wie aus einem Balzac-Roman.<br />
Wie heißt das Mädchen aus Hemingways „For whom the bell rings“?<br />
Camping &#8220;Le Gurp&#8221;, vor knapp dreißig Jahren war ich zweimal hier – Und &#8230; man glaubt’s nicht: Auch hier war Kevin gerade wieder. Um ein Haar, hätten wir ihn auch dieses Jahr wieder zufällig getroffen. Halb Südhessen, heißt es, sei hier versammelt, jedenfalls das Frankfurter Nordend.<br />
John Lescroart<br />
Sind das Maulbeerbäume?<br />
Amerikanisches Buch über Zeichentrickserien – Porky Pig, Duffy Duck &#8230;<br />
Weiter nach Chinon.<br />
Cotes du Rhone Village, Croix des Alliances, Super U / Col de Serre (Carrefour), Beziers / Croix des Sablons, Haut Medoc, (bei Monsieur getrunken) / Carpaccio Monsieur: marinierte Champignons, roter Pfeffer, Parmesan, wenig Pflücksalat, Schnittlauch, Dressing (ev. mit Redoro, Limette, Schuss Armagnac)<br />
Im Nivernais: Käse (Accolay): Chambertin (!), L’Eclat / Amuse Gueule (Accolay): Kalter Lachs mit Estragon, leichte Mayonnaise / Geflügelgelee mit Estragon (gebratene, geschnittene Hähnchenteile)<br />
Journalistin hat im Hotel unter falschem Namen eingecheckt (Name einer Freundin, mit der sie immer verwechselt wurde und deren Ausweis sie sich geben lässt).<br />
Süliman schaut „F“ – Fashion TV<br />
Schnecken mit Champignons (ev. Pfifferlinge) und Kräuterbutter in Teig frittiert (Nems), wahrscheinlich Reisblätter.<br />
Für daheim: Görlitz Brief / Judy wg. Nele Neuhaus / Geschenke / Norrington-Film, Kleiber-Kassette / Garmin – Oder gute Karten im Netz, die Höhenmeter ausweisen &#8211; gibt es das für Frankreich? / Neuen Michelin-Restaurantführer kaufen / Schnürsenkel / Uhrenarmband. Und die Roeckl-Handschuhe sind nach nicht einmal tausend Kilometern völlig durchlöchert.<br />
Süliman hat ev. eine Saison als Schleusenwärter am Canal Nivernais gearbeitet „Die Geliebte des Schleusenwärters“.<br />
Man muss sich nicht alles trauen. Man muss dem König widersprechen, aber man muss nicht nackt über die Straße laufen.<br />
In Souille, einem winzigen Weiler, durch den wir mit den Rädern kommen, haben die Deutschen am 9. und 10. Juli 1944 acht Männer des örtlichen Maquis erschossen.<br />
Rauf nach Vezelay. Schon der Aufstieg zu Kathedrale läßt einen fast kriechen. Aber gut. Viele Pilger. Eine junge Nonne, andächtig vor dem Heiligen Franziskus. Junge Musiker, die proben. Alles hell, keine bunten Fenster. Danach kurz am Dreisterne-Restaurant L’Espérance in St-Père haltgemacht und auf die Speisekarte geschaut. Unangenehm, wie Marc Meneau seinen Namen ausstellt. Die Preise: obszön.<br />
Dann nach Luzy, Vereinigung der Köche der Region: Les-toques-nivernaises.com<br />
„Die Katze erwacht“ N. Friday &#8230; Oliven zu essen / &#8220;Schlichtes Herz&#8221; / Truffaut „Zwei Engländerinnen“<br />
Psalm 5: Ihre Kehle ist ein offenes Grab, aalglatt ist ihre Zunge.<br />
Irmtraud Morgner: Trobadora Beatriz. Hält das noch?<br />
TS Eliot: Nicht mit einem Knall, sondern mit einem Wimmern geht die Welt zugrunde (Genaues Zitat suchen!)<br />
Ins Elsaß / KZ Struthof, Natzweiler &#8211; größer als ich dachte. Viele französisches Besucher / Dambach / Fahrt mit den Rädern in den Pfälzer Wald. Wunderbar, das Hirschtal / Die wievielte Reifenpanne ist das jetzt in diesen drei Wochen? Wenn ich richtig rechne: die sechzehnte!<br />
Das Reh auf der Uferstraße in der Bretagne. / Der Fuchs in der Nähe eines Bauernhofes im Burgund / (Dieser lässige, federnde Gang der Füchse). Wie schön die Charollais-Rinder sind, die zu Hunderten auf den Weiden liegen. Und dann in diesem elsässischen Dorf ein Pfau auf der Straße.</p>
<p>Todestag von da Ponte.</p>
<p style="margin-top: 38px; text-align: left;">
<p style="text-align: center;"><img class="aligncenter" style="border: 1px solid black;" title="Tirez" src="http://foto.janseghers.de/2010/2010/Tirez.jpg" alt="" width="496" height="372" /></p>
<p style="margin-top: 38px; text-align: left;">
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		<title>Juli 2010</title>
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		<pubDate>Mon, 12 Jul 2010 09:17:42 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Dienstag, 13. Juli 2010 &#8211; Vierzehnuhrsechsundfünfzig, dreißigkommanull. Wölkchen. Feucht. Ich kann ja dieses Wetter leiden.
Gestern in einer Viertelstunde den langweiligsten &#8220;Spiegel&#8221; seit Menschengedenken durchgeblättert. Das Sommerloch gähnt.
Wie mich das selbstgerechte, konservative Bürgertum gerade anödet. Und weit und breit keine Bewegung zu sehen, die mal frech und klug die Verhältnisse zum Tanzen brächte &#8211; keine Linke, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Dienstag, 13. Juli 2010</strong> &#8211; Vierzehnuhrsechsundfünfzig, dreißigkommanull. Wölkchen. Feucht. Ich kann ja dieses Wetter leiden.</p>
<p>Gestern in einer Viertelstunde den langweiligsten &#8220;Spiegel&#8221; seit Menschengedenken durchgeblättert. Das Sommerloch gähnt.</p>
<p>Wie mich das selbstgerechte, konservative Bürgertum gerade anödet. Und weit und breit keine Bewegung zu sehen, die mal frech und klug die Verhältnisse zum Tanzen brächte &#8211; keine Linke, keine Bohème, nichts. Nur ein paar muckerhafte Clowns. Und die wenigen kaltgestellten Solitäre &#8211; Avantgarde ohne Hinterland. So muss es sich Anfang des 19. Jahrhunderts angefühlt haben, sagen wir nach dem Wiener Kongress.</p>
<p>Morgens, direkt nach dem Aufstehen ein wenig im Netz geschwommen. Und mich auf den Seiten mit Bildern von Oehlen und Kippenberger verloren. Dann den Garten gewässert. Die SZ aus dem Kasten geholt. Das Feuilleton aufgeschlagen. Dort: Ein Artikel über die Ausstellung mit Bildern von Oehlen, Kippenberger, Büttner und Herold in der Potsdamer Villa Schöningen. Na ja, sind auch alle längst eingemeindet &#8230; Gegründet hat das Museum Springer-Chef Döpfner, eingeweiht hat es Angela Merkel &#8230;</p>
<p>Jean Paul Marat ist tot.
<p style="margin-top: 38px; text-align: left;"></p>
<p><strong>Montag, 12. Juli 2010</strong> &#8211; Zehnuhreinundfünfzig, vierunddreißig- kommasieben. Die Welt sagt:  War das heißeste Wochenende des Jahres.</p>
<p>Es ist wie immer: Habe ich die Geisterbahn längere Zeit nicht betreten, scheue ich umso mehr davor zurück, es wieder zu tun. Jeder Gegenstand scheint zu mickrig, als dass er der Erwähnung wert wäre.</p>
<p>Letzte Woche schöner, produktiver Nachmittag mit Grusche auf der Terrasse. Wir plotten die Ausgangssituation des nächsten Marthaler-Romans und alles scheint rund. Dann aber, gestern, treffe ich mich bei den Habernolls mit dem ehemaligen Staatssekretär A. Nach einer Stunde wird klar: Meine geplante Konstruktion funktioniert nicht, das ganze Gefüge rutscht mir weg, weil der Planfeststellungsbeschluss zum Ausbau des Frankfurter Flughafens bereits drei Monate vor den Wahlen im Januar 2008 ergangen war und von keiner neuen Regierung mehr hätte rückgängig gemacht werden können &#8211; jedenfalls nicht, ohne das diese die Landesfinanzen wegen der folgenden Schadensersatzforderungen ruiniert hätte.</p>
<p>In Los Angeles wurde letzte Woche der so genannte Grim-Sleeper Lonnie Franklin festgenommen. Er soll zwischen 1985 und 2007 mindestens zehn Menschen, zumeist schwarze Prostituierte, ermordet haben. Man war ihm auf die Spur gekommen, weil man festgestellt hatte, dass die DNA seines inhaftierten Sohnes große Ähnlichkeit mit der bei den Opfern gefundenen Täter-DNA aufwies. Nun ist in den USA eine Debatte um die Verwertung der &#8220;familial DNA&#8221; entbrannt.</p>
<p>Heute vor 75 Jahren starb Alfred Dreyfus in Paris. Er ist auf dem Friedhof Montparnasse beerdigt.</p>
<p style="margin-top: 38px; text-align: left;">
<p style="text-align: center;"><img class="aligncenter" style="border: 1px solid black;" title="Ohne Titel" src="http://foto.janseghers.de/2010/2010/Ohne Titel.jpg" alt="" width="500" height="375" /></p>
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		<title>Juni 2010</title>
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		<pubDate>Mon, 07 Jun 2010 10:33:25 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemeines]]></category>

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		<description><![CDATA[Donnerstag, 24. Juni 2010 &#8211; Sechzehnuhrachtundzwanzig, fünfundzwanzigkommasieben. Sehr blau. 
Wer wissen will, welch grauen, feuchten Strumpf das Land sich mit einem Bundespräsidenten Joachim Gauck einhandeln würde, mag einfach die Rede des Kandidaten, die er am 22. Juni 2010 im Deutschen Theater in Berlin gehalten hat, auf dessen Homepage nachlesen. Weiß Gott, das ist das Pathos [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Donnerstag, 24. Juni 2010</strong> &#8211; Sechzehnuhrachtundzwanzig, fünfundzwanzigkommasieben. Sehr blau. </p>
<p>Wer wissen will, welch grauen, feuchten Strumpf das Land sich mit einem Bundespräsidenten Joachim Gauck einhandeln würde, mag einfach die Rede des Kandidaten, die er am 22. Juni 2010 im Deutschen Theater in Berlin gehalten hat, auf dessen Homepage nachlesen. Weiß Gott, das ist das Pathos der Leere. Gedankenfreiheit scheint diesem Mann zu bedeuten: frei von jedem Gedanken.  Und dafür wirft sich die Hälfte der deutschen Intelligenz ins Zeug.</p>
<p>Am Wegrand: Drei große Krähen hacken nach dem Kadaver einer toten Ratte. Vier unglaublich bunte Buntfinken tummeln sich auf einer Wiese. Ein junger Fuchs &#8211; orientierungslos oder tollwütig &#8211; springt nervös vor dem sich nähernden Radfahrer auf der Hohen Straße hin und her.</p>
<p>Quote of the day von Götz E.: &#8220;Am Edersee kann man Rad fahren, dass es nur so seine Bewandtnis hat.&#8221;</p>
<p>Und jetzt auch noch Joachim Löw: &#8220;Für so eine junge Mannschaft ist es gut, durch so ein Stahlbad zu gehen in einem Spiel um alles oder nichts.&#8221;</p>
<p><em>Und? Zu wem hältst Du heute Abend bei den Spielen?</em><br />
Zu allen!<br />
<em>Zu allen?</em><br />
Ja, ich bin Multinationalist.</p>
<p>Am 24. Juni 1943 starb im mexikanischen Exil der Schriftsteller Otto Rühle. Seine Frau Alice Rühle-Gerstel beging am selben Tag Selbstmord. Am 20. März 1915 hatten Otto Rühle und Karl Liebknecht als einzige Abgeordnete des deutschen Reichstages gegen die Bewilligung der Kriegskredite gestimmt. </p>
<p style="margin-top: 38px; text-align: left;">
<p><strong>Montag, 21. Juni 2010</strong> &#8211; Dreizehnuhrvierundvierzig, siebzehnkommavier. Wolkig, frisch.</p>
<p>Gestern kurz auf dem Parkfriedhof Heiligenstock und das &#8220;anonyme&#8221; Grab von Eberhard Dähne gesucht. Nur ein Fleckchen Dreck ist zu sehen. Wird irgendwann von Gras überwachsen sein.</p>
<p>Dann Burgfestspiele in Bad Vilbel. Vor vierhundert Leuten aus &#8220;Die Akte Rosenherz&#8221; gelesen. Eine vital aussehende ältere Dame kommt freundlich lächelnd auf mich zu: &#8220;Ich kenne einen der Ermittler, der am Mordfall Matura mitgearbeitet hat. Es ist mein Mann &#8230; Leider hat er Alzheimer.&#8221;<br />
Kurz darauf beim Signieren ein älterer Herr: &#8220;Ich habe die Matura gekannt. Allerdings nur in Einzelteilen.&#8221; Ich schaue ihn fragend an. &#8220;Ich war Gerichtsmediziner, und die Obduktion ihrer Leiche im Januar 1966 war einer meiner ersten Fälle.&#8221;</p>
<p>Wie muss man eigentlich jemanden nennen, der ungestraft eine solche Scheiße schreibt wie Malte Lehming vom Berliner &#8220;Tagesspiegel&#8221;: &#8220;Im Überschwang ihrer Gefühle sagte die ZDF-Moderatorin Katrin Müller-Hohenstein in der Halbzeitpause des Spiels Deutschland gegen Australien: &#8216;Für Miroslav Klose muss das doch ein innerer Reichsparteitag sein, jetzt mal ganz im Ernst, dass der heute hier trifft.&#8217; Natürlich brandete sofort ein Sturm der Entrüstung auf, das ZDF wurde aufgefordert, sich von dem Spruch und dem Nationalsozialismus zu distanzieren. Aber weit gravierender als der sprachliche Lapsus ist doch wohl, dass dieses Klose-Tor, um in der ZDF-Sprache zu bleiben, Deutschlands inneres Auschwitz gewesen sein könnte. Weil dieses Tor den schwachen Klose rehabilitiert, muss er weiter aufgestellt werden, was Deutschland am Ende den Titel kosten wird.&#8221;</p>
<p>John Lee Hooker ist tot.
<p style="margin-top: 38px; text-align: left;"></p>
<p><strong>Mittwoch, 16. Juni 2010</strong> &#8211; Bloomsday. Vierzehnuhrsechsundzwanzig, zwanzigkommasieben. Bleu. Und &#8230; die Schulter? Viel besser!</p>
<p>Nur, damit es ihnen nicht vergessen wird: Inge Höger, Annette Groth und Norman Paech, Bundestagsabgeordnete der Fraktion &#8220;Die Linke&#8221;, haben am 30. Mai 2010 gemeinsam mit bewaffneten Islamisten versucht, die Blockade des Gaza-Streifens zu durchbrechen und sind daran von israelischen Soldaten gehindert worden. Unversehrt und unbestraft zurück in Deutschland, stellten die drei Politiker Anzeige beim Generalbundesanwalt und entblödeten sich nicht, in diesem Dokument davon zu sprechen, dass sie von den Israelis deportiert worden seien. Ihre Partei, anstatt sich umgehend von diesen Gesinnungsdeppen zu distanzieren, feierte sie als Helden und stellte den Text der Anzeige als pdf-Datei auf die Internetseite der Bundestagsfraktion.  </p>
<p>Gerade lese ich, dass Jürgen Weber heute vor drei Jahren gestorben ist. </p>
<p style="margin-top: 38px; text-align: left;">
<p><strong>Mittwoch, 9. Juni 2010 </strong>- Zwölfuhrneunundzwanzig, zweiunddreißig- kommafünf. Schlierig der Himmel.</p>
<p>Heute Morgen auf den Seiten der Deutschen Kommunistischen Partei und der Partei &#8220;Die Linke&#8221; unterwegs. Mein Gott, was sich dort für ein kaum verhohlener Antisemitismus und Hass auf Israel Luft macht. Und damit einhergehend: was für eine selbstvergessene Dummheit. Als könnten sie nicht lesen, als stünden ihnen nicht alle Informationen über Zusammensetzung und Absichten der so genannten Hilfskomitees zur Verfügung.<br />
Dazu noch der bodenlose, wirre Moralismus von Henning Mankell &#8230;</p>
<p>Wirklich verlässlich sind eigentlich nur noch &#8220;konkret&#8221; und <a href="http://www.hagalil.com/">haGalil</a> &#8230;</p>
<p>Todestag von Johanna Kirchner.
<p style="margin-top: 38px; text-align: left;"></p>
<p><strong>Montag, 7. Juni 2010</strong> &#8211; Zwölfuhrdrei, fünfundzwanzigkommavier Grad. Bedeckt. Seit gut einer Woche: dritter Schmerzens-Schub in der Schulter.</p>
<p>Eine Mail von Google-Alerts weist mich auf folgenden Eintrag im Archivalia-Blog zu &#8220;Die Akte Rosenherz&#8221; hin: <em>&#8220;Herr Seghers, die Mutter von Helga Matura wohnte bis vor kurzem in 50825 Köln, Iltisstr. 122. Ich weiss nicht ob sie ins Heim gekommen oder gestorben ist. Meine Mutter wohnte mit ihr auf einer Etage in einem altengerechten Wohnhaus. Lt. meiner Mutter fuhr sie 1 x monatlich nach Aachen ins Spielkasino und kam mit dem Taxi wieder nach Hause. Wo hatte sie ihr Geld her? Ihr wurde auch schon mal nachgesetzt und sollte ueberfallen werden. Das wäre doch ein interessanter Ansatzpunkt gewesen.&#8221;</em></p>
<p>Amokläufe finden fast nie in den so genannten Metropolen des Verbrechens, sondern nahezu immer in kleinstädtisch-aufgeräumten Milieus statt. Und die Täter entstammen fast nie dem als aggressiv geltenden Subproletariat, sondern nahezu immer dem auf Unauffälligkeit erpichten (Klein-) Bürgertum. Dazu zwei interessante Details, den Amoklauf von Derrick Bird aus Whitehaven betreffend, der letzte Woche in der nordenglischen Grafschaft Cumbria zwölf Menschen erschossen hat, bevor er sich selbst das Leben nahm:<br />
1. Die Presse berichtet, das der Täter bei seiner dreistündigen Amokfahrt durch die Küstenregion immer die Vorfahrt beachtet und an jeder roten Ampel gehalten habe.<br />
2. Wikipedia weiß zu berichten, dass die rechtwinklige Anlage der Kleinstadt Whitehaven als architektonisches Vorbild für die Planung von Manhattan gedient habe.<br />
Auch hier war der Täter also wieder ein unauffälliger Provinzbewohner aus einer wohlgeordneten Umgebung, ein verhinderter Anpasser, oder &#8211; wie Götz Eisenberg es nennt: ein devianter Konformist.</p>
<p>Lektüre: Mihail Sebastians Tagebücher 1935-1944 &#8220;Voller Entsetzen, aber nicht verzweifelt&#8221;.</p>
<p>Todestag von Ida Kerkovius. Und ich ärgere mich immer noch, dass ich seinerzeit nicht dieses schöne konstruktivistische Bild von ihr gekauft habe.
<p style="margin-top: 38px; text-align: left;"></p>
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		<title>Mai 2010</title>
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		<pubDate>Wed, 12 May 2010 06:35:19 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemeines]]></category>

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		<description><![CDATA[Montag, 31. Mai 2010 &#8211; Elfuhrfünfunddreißig, fünfzehnkommadrei. Himmelgrau. Man hört, es soll noch Mal schöner werden. Im Laufe des Jahres.
Was mich gerade langweilt:
1. Alle Artikel über das iPad und Steve Jobs.
2. ALLE Äußerungen von, über und gegen Christoph Schlingensief.
3. Lena Dingsbums.
4. Die bevorstehende Fußballweltmeisterschaft.
Schaue seit Tagen alle paar Minuten auf meine Armbanduhr (die erste überhaupt [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Montag, 31. Mai 2010</strong> &#8211; Elfuhrfünfunddreißig, fünfzehnkommadrei. Himmelgrau. Man hört, es soll noch Mal schöner werden. Im Laufe des Jahres.</p>
<p>Was mich gerade langweilt:<br />
1. Alle Artikel über das iPad und Steve Jobs.<br />
2. ALLE Äußerungen von, über und gegen Christoph Schlingensief.<br />
3. Lena Dingsbums.<br />
4. Die bevorstehende Fußballweltmeisterschaft.</p>
<p>Schaue seit Tagen alle paar Minuten auf meine Armbanduhr (die erste überhaupt seit dreißig Jahren) &#8211; so schön ist sie, die neue, alte &#8220;Glashütte&#8221; &#8211; Made in GDR. &#8211; &#8220;Und? Was hat sie gekostet?&#8221; &#8211; Ich sage den Preis. &#8211; &#8220;So viel kostet bei den echten Sammlern allein das Armband&#8221;. &#8211; Eben! Teuer kann jeder!</p>
<p>Samstag das Zappa-Konzert mit dem Ensemble Modern im Frankfurt Lab. Avantgarde ist das schon lange nicht mehr, aber druckvoll, wuchtig, lustig, unterhaltsam, überraschend. Und immer, wenn ich dachte, jetzt wird mir das aber zu bigbandig, zu jazzig, zu filmmusikig &#8230; Was dann? Dann hatten sie mich doch wieder.</p>
<p>Gestern im Museum Giersch. Die Ausstellung mit Werken des deutschen Impressionisten Philipp Franck. Am besten die späten Sachen. Ein Bild seines Sohnes mit Hund. Ein kleines Porträt. Ein paar hübsche Wasserstücke.</p>
<p>&#8220;Denn nur die Wahrheit macht frei&#8221;, Johannes 8, 31</p>
<p>Brechts Galilei: &#8220;Nehmt das Tuch vom Rohr und richtet es auf die Sonne!&#8221;</p>
<p>Saukomisches Gesprächsverweigerungsgespräch mit Reich-Ranicki in der Sonntags-FAZ.</p>
<p>Hannah Höch ist tot.</p>
<p style="margin-top: 38px; text-align: left;">
<p style="margin-top: 38px; text-align: left;">
<p><strong>Mittwoch, 19. Mai 2010</strong> &#8211; Dreizehnuhrachtundfünfzig, vierzehnkommafünf. Regnet schon den ganzen Vormittag.</p>
<p>Bei einem Streifzug über den Hauptfriedhof ganz in der Nähe von Kupers Asche das Grab eines Jürgen Lothar Manfred Jakoby entdeckt. Das Bild auf dem Stein legt die Frage nahe, um was für einen Galgenstrick es sich hier wohl gehandelt haben mag. Zu Hause den Namen in die Suchmaschine eingegeben&#8230; : Aki, der Indianer, wie er genannt wurde, war ein Frankfurter Bordellbesitzer. Und gleich noch eine ganze <a href="http://www.google.de/imgres?imgurl=http://lh6.ggpht.com/_SA6-QjNwqDI/SDa7ekdhkRI/AAAAAAAACGs/T912ec37gto/Aki_und_Ebby%2B001.jpg&amp;imgrefurl=http://picasaweb.google.com/lh/photo/f1Tgkht5ImgU1c1Su99ZIA&amp;usg=__aS0m3EWYq4K0LEri_2gevCwX7EU=&amp;h=1023&amp;w=1389&amp;sz=1181&amp;hl=de&amp;start=2&amp;um=1&amp;itbs=1&amp;tbnid=sMWrh6_ZiFI92M:&amp;tbnh=110&amp;tbnw=150&amp;prev=/images%3Fq%3DAki%2BJakoby%26um%3D1%26hl%3Dde%26client%3Dfirefox-a%26sa%3DN%26rls%3Dorg.mozilla:de:official%26channel%3Ds%26tbs%3Disch:1">Galerie</a> mit Fotos gefunden, auf denen er im Kreise seiner Lieben zu sehen ist.</p>
<p>Gestern auf den Parkfriedhof Heiligenstock zur Beerdigung von Eberhard Dähne. Draußen auf dem Parkplatz eine Limousine  mit Fahrer, Wiesbadener Nummernschild. Und da ist auch noch eine aus Erfurt.  Die Trauerhalle ist voll. Überall werden Köpfe gereckt. Manche der Gäste sehe ich seit zwanzig Jahren zum ersten Mal wieder. Ellen Weber sitzt ganz in der Nähe. Ottel Wagner ist da. Und Bodo Ramelow &#8211; womit die Erfurter Karosse erklärt wäre. Georg Fülberth hält die Trauerrede. Sachlich, klug, unpathetisch, sehr freundschaftlich. Während des diesjährigen Ostermarsches habe sich der Todkranke auf dem Römerberg von seinen Genossen verabschiedet. Danach sei er, der geduldige, bescheidene Eberhard Dähne noch ein letztes Mal zum Arzt gegangen, habe über die Maßen lange auf dem Gang sitzen müssen, bis er schließlich aufgestanden sei und gedroht habe, wenn man ihn nicht sofort ins Sprechzimmer rufe, die Internationale zu singen. &#8220;Das hat geholfen&#8221;, habe er erzählt. Damit endet Fülberths Rede. Und tatsächlich, jetzt machen die Trauergäste Dähnes Drohung wahr und singen dieses Lied. Und seltsamerweise wirkt es vollkommen unpeinlich. Gemeinsam geht man noch zum anonymen Urnengrab. Und zerstreut sich wieder.</p>
<p>Anruf des Anstaltsleiters aus Butzbach. Ich möge Verständnis haben, aber es gebe Gründe für die Ablehnung meines Projektes, die er nicht mit mir erörtern dürfe. Gefühl gähnender Machtlosigkeit.</p>
<p>Was ist eigentlich mit der Statistik der Geisterbahn los? Seit Ende April keine neuen Zahlen &#8230;</p>
<p>Fünfter Todestag von Batya Gur, deren Kriminalromane ich schon längst mal gelesen haben wollte.</p>
<p style="margin-top: 38px; text-align: left;">
<p style="text-align: center;"><img class="aligncenter" style="border: 1px solid black;" title="Aki" src="http://foto.janseghers.de/2010/2010/Aki.jpg" alt="" width="312" height="416" /></p>
<p style="margin-top: 38px; text-align: left;">
<p><strong>Mittwoch, 12. Mai 2010</strong> &#8211; Achtuhrzweiundzwanzig, elfkommavier. Der Himmel suppig. So langsam weicht die Erschöpfung der Entspannung. Ja &#8230; doch, warum es nicht Mal deutlich sagen: Es geht mir so gut wie seit einem Jahr nicht mehr. Was ist da schon eine Bronchitis? Kann nicht lang dauern &#8230;</p>
<p>In die Brönnerstraße, Krankengymnastik. Kurze Runde über die Zeil. Nicht auszuhalten. Durch ein paar Schuhgeschäfte. Auch nicht auszuhalten, was da so rumsteht. Einzig dieses eine Paar Crockett &amp; Jones &#8230; Zu teuer &#8230; Zurück. Zu Hause Post, Telefon, Mails. Noch keine Nachrichten aus dem Gefängnis. Kurz nach zwei wieder in die Stadt. Auf der Kreuzung Friedberger Landstraße / Rohrbachstraße ist eine Straßenbahn in einen Kleintransporter gefahren &#8211; die Autos stauen sich zurück bis in die Innenstadt. Wieder Brönnerstraße. Das letzte Mal zum Orthopäden. Eine Stunde warten. Perfekt, sagt der Mediziner, um mich gleich darauf zu ermahnen &#8230; Zwei Stunden unterwegs für einen zweiminütigen Arztbesuch. Dann doch die Crockett &amp; Jones gekauft. Wieder nach Hause, noch immer nichts aus dem Gefängnis. Spaghetti Frutti di Mare &#8230;</p>
<p>Im Autoradio ein Stück aus Isabelle Fausts und Alexander Melnikovs Interpretation von Schuberts Fantasie für Geige und Klavier.  Meine Güte, hat das Kraft &#8230;</p>
<p>Ch. erzählt, dass Svjatoslav Richter abgeordnet war, um auf den Feierlichkeiten zu Stalins Beerdigung Klavier zu spielen. Auf dem Weg dorthin saß er allein in einem Flugzeug voller Trauerkränze.</p>
<p>In der SZ vom Wochenende eine unglaublich gut geschriebene Reportage von Alex Rühle über einen Besuch bei Keith Jarrett.</p>
<p>Der neue Resnais, na ja. Dominik Grafs Serie, na ja, nach den zahlreichen, großen Worten &#8230;</p>
<p>So weit ist es gekommen, dass Atilla seinen <em>Komaläufer</em> öfter bedient als ich in die <em>Geisterbahn</em> steige.</p>
<p>Lektüre: Woodward / Bernsteins Watergate-Buch.</p>
<p>Otto Nagel ist tot.</p>
<p style="margin-top: 38px; text-align: left;">
<p style="text-align: center;"><img class="aligncenter" style="border: 1px solid black;" title="Flora und Fauna" src="http://foto.janseghers.de/2010/2010/Flora und Fauna.jpg" alt="" width="368" height="276" /></p>
<p style="margin-top: 38px; text-align: left;">
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		<title>April 2010</title>
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		<pubDate>Sat, 03 Apr 2010 10:47:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Donnerstag, 29. April 2010 &#8211; Fünfzehnuhrdreiundvierzig, achtundzwanzig- kommazwei Grad. Blauweißer Himmel. Der Lesereisende kriecht auf dem Zahnfleisch.
Peter H. ruft aus Köln an. Er habe kürzlich mit dem mächtigen Krimikritiker Tobias Gohlis, dem Sprecher der KrimiWelt-Bestenlisten-Jury, an einem Tisch gesessen und ihn gefragt, warum eigentlich Jan Seghers nicht auf dieser Liste auftauche. Nun, habe Gohlis – [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Donnerstag, 29. April 2010</strong> &#8211; Fünfzehnuhrdreiundvierzig, achtundzwanzig- kommazwei Grad. Blauweißer Himmel. Der Lesereisende kriecht auf dem Zahnfleisch.</p>
<p>Peter H. ruft aus Köln an. Er habe kürzlich mit dem mächtigen Krimikritiker Tobias Gohlis, dem Sprecher der KrimiWelt-Bestenlisten-Jury, an einem Tisch gesessen und ihn gefragt, warum eigentlich Jan Seghers nicht auf dieser Liste auftauche. Nun, habe Gohlis – sinngemäß – geantwortet, das habe sich Seghers selbst zuzuschreiben, denn der habe sich vor Jahren selbst geschadet, als er in einem Gespräch erklärt habe, Kriminalromane seien nicht so sehr Kunst, sondern vielmehr ein kunstvolles Handwerk, das dem Autor ja auch gemeinhin schneller von der Hand gehe als avancierte Literatur.<br />
Es kann sich bei dem Gespräch, auf das Gohlis sich bezieht, nur um jenes handeln, das ich mit ihm im Jahr 2005 auf der Buchmesse geführt habe und dessen redigierte Abschrift ohne mein Wissen, ohne meine Zustimmung und ohne, dass ich den Wortlaut gesehen oder gar autorisiert hätte, kurze Zeit später in der Zeitung „Die Welt“ erschien.<br />
Das also ist der Grund dafür, dass ich seit Jahren &#8230;<br />
Da sage noch einer, der Laden laufe nicht genau so, wie man sich vorstellt, dass der Laden läuft.<br />
Von John Kennedy Toole gibt es einen Roman mit dem schönen Titel: „Ignaz oder Die Verschwörung der Idioten“.</p>
<p>Todestag von Adam Seide. Und gerade erfahre ich, dass Eberhard Dähne gestorben ist.</p>
<p style="margin-top: 38px; text-align: left;">
<p><strong>Freitag, 23. April 2010</strong> &#8211; Vierzehnuhrfünfzig, siebzehnkommafünf. Sonnig. Himmel? Schön blau. -  Schulter? Viel besser.</p>
<p>In Hannovers Fußgängerzone ein Hinweis: &#8220;Café to go&#8221;. Geht&#8217;s blöder?</p>
<p>Selten ein so leeres Gesicht gesehen wie das von Familienministerin Kristina Schröder. Als ob man eine Badezimmerfliese anschaut.</p>
<p>Stadtteil Bornheim. In der U-Bahn-Station ein Plakat, das den Frankfurter Stadtverordneten Michael Paris (SPD) und dahinter Marilyn Monroe zeigt. Darunter die Zeile: &#8220;Happy Birthday Mr. Paris&#8221;. Freilich ist es der Jubilar selbst, der sich hier gratuliert. Eine Partei, die solche Figuren groß werden lässt, hat es nicht verdient, über die Fünfprozenthürde zu kommen.</p>
<p>Rolf Dieter Brinkmann ist seit fünfunddreißig Jahren tot.</p>
<p style="margin-top: 38px; text-align: left;">
<p style="text-align: center;"><img class="aligncenter" style="border: 1px solid black;" title="Figur" src="http://foto.janseghers.de/2010/2010/paris.jpg" alt="" width="178" height="244" /></p>
<p style="margin-top: 38px; text-align: left;">
<p><strong>Mittwoch, 21. April 2010</strong> &#8211; Zehnuhrsieben, vierzehnkommasieben Grad. Grau. Frisch. Schulter? Geht so.</p>
<p>Am Wochenende mit allen im Altmühltal. Wetter, Stimmung, Landschaft, Essen:  gut. Nur ich: mürrisch, unter Schmerzen. Und dauernd die lauernde Furcht, dass die Sehne wieder gerissen sein könnte.</p>
<p>Diese Woche sieben Lesungen.</p>
<p>Am Montag mit Jürgen nach Lauterbach, Altes Lichtspielhaus. Gestern Waggonhalle in Marburg. Guntram steigt aus seinem Wagen, und sofort gehts mir gut. Manfred Paulsen, eine Lichtgestalt. Und dann, statt in den üblichen Branchenklatsch zu verfallen, reden wir auch noch über angenehme Menschen: Götz Eisenberg, Piwitt, Fülberth. Und Manfred erzählt von einem blinden Physiotherapeuten, der als begnadeter Diagnostiker gilt. Kurz vor Mitternacht wieder auf die Straße. Um eins im Bett.</p>
<p>Schwurbel über Schwurbel, der Schriftsteller Uwe Tellkamp über den Maler Neo Rauch: &#8220;Ich hörte den Namen eher, als ich seines Trägers Bilder kannte.&#8221;</p>
<p>Und doch noch ein Sonnenstrahl: Der neue Film von Resnais scheint angelaufen zu sein: &#8220;Vorsicht Sehnsucht!&#8221; Das wird ein Fest!</p>
<p>Lektüre: Zastrows &#8220;Die Vier &#8211; Eine Intrige&#8221;.</p>
<p>Mark Twain ist tot. Tatsächlich, Shane MacGowan lebt immer noch.</p>
<p style="margin-top: 38px; text-align: left;">
<p><strong>Montag, 5. April 2010</strong> &#8211; Zehnuhrvierzig, vierzehnkommafünf Grad. Österlich, aprilig. Von Ferne Kirchenglocken.</p>
<p>Fast durch mit Jussi Adler-Olsens &#8220;Erbarmen&#8221; &#8211; aber jetzt, da die Zusammenhänge klar werden, will ich nicht mehr: Eine Bestie steckt dahinter, ein Monster &#8230; Nee, Leute, ohne mich &#8230;</p>
<p>Kaum anders gestern Abend der Tatort, der halb noch unter der Redaktion der berüchtigten Doris Heinze entstanden ist. Nach gefühlten vier Stunden Langeweile wird klar: Eine Bestie steckt dahinter, ein Monster &#8230;</p>
<p>In Trenton, der Haupstadt des US-Bundesstaates New Jersey, hat eine 15-Jährige während einer Party ihre sieben Jahre alte Stiefschwester an sieben männliche Gäste verkauft, die das Kind allesamt vergewaltigten und ihm dann drohten, es umzubringen, wenn es zur Polizei gehe.</p>
<p>Danton ist tot.</p>
<p style="margin-top: 38px; text-align: left;">
<p><strong>Samstag, 3. April 2010</strong> &#8211; Zwölfuhrdrei, vierzehnkommaacht. Sehr wolkig. Um zweiuhrdreißig aufgewacht und nicht wieder eingeschlafen &#8211; geht <em>das</em> wieder los &#8230;</p>
<p>Am Mittwoch auf die Autobahn. Mannheim, Kunsthalle. Ist aber nicht viel zu sehen. Wird gerade saniert. Sonderausstellung: &#8220;Fremde Heimat&#8221; &#8211; Blümchentapeten, Nierentische, Fernsehkommode. Ein paar schlechte Fotos von Staeck, die was bedeuten sollen. Das Meiste schwankt so zwischen Kabarett und Dekor.<br />
Und auch der abstrakte Muff der klassischen Moderne ist arg gealtert in den letzten zehn, zwanzig Jahren. Wie beliebig, wie gefällig das inzwischen alles wirkt. Das Beste eigentlich Anselm Kiefers schwerer Betonbrocken mit dem rostigen Stahl: Das Gegenteil von abstrakt: völlig konkret. Concrete.</p>
<p>Dann Ladenburg. Sehr hübsch. Hübschhübsch. Man ist in zehn Minuten durch. &#8220;Goldener Löwe&#8221;, &#8220;Goldener Hirsch&#8221;, Güldener Stern&#8221;, &#8220;Güldene Rose&#8221;. Alles Gold hier. Wir übernachten in der &#8220;Goldenen Krone&#8221;. Und essen in der &#8220;Backmulde&#8221;. Gleich die überbackene Entenlebercreme der sündhaft teuren Vorspeise hat aber einen so heftigen Stich, dass mich nachhaltig schaudert. Meine Reklamation ruft bei der bemühten Kellnerin allerdings nicht mehr als ein überfordertes Schweigen hervor &#8230; Ähäm, was rede ich hier eigentlich &#8230;?</p>
<p>Am nächsten Tag das Hebel-Grab in Schwetzingen fotografiert. In dieser Stadt findet man Spargelhändler, Raumausstatter, Thai-Massagen an jeder Ecke, aber versuchen Sie mal in Schwetzingen eine Tageszeitung zu bekommen! Oder auch nur jemanden zu finden, der weiß, wo man eine bekommt. Dafür gibt es in der Fußgängerzone den besten Döner zwischen Antalya und den Rocky Mountains: &#8220;Vitaminküche&#8221;. Und, nicht zu vergessen, gegenüber von Sankt Pankratius, Guido Messers Bronze der applaudierenden Männer.</p>
<p>Weiter nach Lorsch. Beim Versuch etwas besonders Schönes zu schaffen, ist, ganz in der Nähe des Klosters, Dank professioneller Raumausstattung, einer der hässlichsten Orte der Welt entstanden: das Eiscafé Dolomiti am Marktplatz. Absolut sehenswert.</p>
<p>Gestern dem Tipp von Björn Gauges gefolgt und &#8220;Ein Prophet&#8221; in der &#8220;Harmonie&#8221; geschaut. Uff, ein harter Brocken. War kurz davor abzubrechen. Zum Glück dann doch durchgehalten. Wird man wohl nie mehr vergessen, diesen Film. Und man fragt sich, wo die französischen Regisseure solch grandiose Schauspieler hernehmen, bei denen man nie merkt, dass es sich um Schauspieler handelt.</p>
<p>Die Straußenwirtschaft &#8220;Zu den drei Steubern&#8221;, gleich um die Ecke vom Kino, hat dann aber geschlossen &#8211; wie immer an allen Samstagen, Sonntagen und Feiertagen. Muss man sich auch erst Mal leisten können &#8211; als Wirt.</p>
<p>In Götz Eisenbergs Buch dieser wunderbare Satz: &#8220;Sehen sich zwei Menschen jenseits der Kindheit länger als zehn Sekunden an, werden sie sich entweder lieben oder schlagen.&#8221;</p>
<p>Altes Gespräch mit Anselm Kiefer in der &#8220;Zeit&#8221;.</p>
<p>Im März zum ersten Mal mehr als fünfzehntausend Besucher in der <em>Geisterbahn</em>.</p>
<p>Jesse James ist tot.</p>
<p style="margin-top: 38px; text-align: left;">
<p style="text-align: center;"><img class="aligncenter" style="border: 1px solid black;" title="Claque" src="http://foto.janseghers.de/2010/2010/Claque.jpg" alt="" width="500" height="248" /></p>
<p style="margin-top: 38px; text-align: left;">
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		<title>März 2010</title>
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		<pubDate>Tue, 02 Mar 2010 15:35:46 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemeines]]></category>

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		<description><![CDATA[Montag, 29. März 2010 &#8211; Sechzehnuhrsiebenunddreißig, siebzehn Grad. Graublau der Himmel. Nass der Boden.
Gestern wieder über den Friedhof gestromert. Mit der Ixus Beute nach Hause gebracht.
Wieder in Butzbach im Gefängnis gelesen. Und wieder: Selten ein so konzentriertes, freundliches, nein: höfliches Publikum gehabt. Und hinterher der Impuls: dort rasch wieder hin zu wollen, dann aber: um [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Montag, 29. März 2010</strong> &#8211; Sechzehnuhrsiebenunddreißig, siebzehn Grad. Graublau der Himmel. Nass der Boden.</p>
<p>Gestern wieder über den Friedhof gestromert. Mit der Ixus Beute nach Hause gebracht.</p>
<p>Wieder in Butzbach im Gefängnis gelesen. Und wieder: Selten ein so konzentriertes, freundliches, nein: höfliches Publikum gehabt. Und hinterher der Impuls: dort rasch wieder hin zu wollen, dann aber: um zuzuhören.</p>
<p>Und jetzt bin ich klaftertief in Götz&#8217; Buch versunken. Wie klug, wie kenntnisreich, von wie viel Erfahrung gesättigt das ist.  Unglaublich auf welch großem literarischen und geistesgeschichtlichen Hintergrund er seine Fälle erzählt. Seine Hinwendung zu den Opfern und Tätern, seine Vorsicht vor Verallgemeinerungen, seine Dialektik und sein sozialgeschichtliches Wissen lassen den Band zu einer der gründlichsten Diagnosen werden, die ich seit langem gelesen habe. (<em>Götz Eisenberg, &#8220;&#8230;damit mich kein Mensch mehr vergisst!&#8221; &#8211; Warum Amok und Gewalt kein Zufall sind, Pattloch Verlag, 2010</em>).</p>
<p>Weil ich im April mit ihm im Studio von &#8220;Fröhlich lesen&#8221; sitzen werde, bringt die Post Josef Wilflings Buch &#8220;Abgründe&#8221;. Darin schreibt der ehemalige Leiter der Münchner Mordkommission: &#8220;Ich weiß nicht mehr, wie oft ich an einem Tatort stand und mich gefragt habe, wie so etwas möglich ist &#8230; Wie können Menschen so erbarmungs- und gefühllos, so brutal und kaltblütig sein &#8230;&#8221; Wenn ich dieser Tage lese, dass ein ostdeutscher Rentner demnächst von 600 Euro im Monat leben muss, während Josef Ackermann im selben Zeitraum 1.000.000 Euro erhält, fallen mir schon ein paar Antworten auf die Frage des Kriminalisten ein.</p>
<p>Carl Orff ist tot. Hatte ich schon Mal gesagt, wie sehr ich seine Carmina Burana verabscheue?</p>
<p style="margin-top: 38px; text-align: left;">
<p style="text-align: center;"><img class="aligncenter" style="border: 1px solid black;" title="Frau Rosa" src="http://foto.janseghers.de/2010/2010/Frau Rosa.jpg" alt="" width="240" height="290" /></p>
<p style="margin-top: 38px; text-align: left;">
<p><strong>Donnerstag, 18. März 2010</strong> &#8211; Elfuhrvier, vierzehnkommavier. Sonne. Schwindelig vor Erschöpfung.</p>
<p>So sind die Tage dieser Tage: Sechsuhrfünfzehn &#8211; der Wecker fällt mir allmorgendlich wie ein Stein auf den Kopf. Aufstehen. Espresso. Computer anschalten. Mails anschauen. Schnell wieder wegschauen. Duschen. Espresso. Auf den Bewegungsstuhl. Rasch zur U-Bahn. Physiotherapie. Kurz was einkaufen. Zur U-Bahn. Nach Hause. Schlüssel ins Schloss. Das Telefon klingelt. Ignorieren. Klingelt aber gleich wieder. Palaverpalaver. Anfragen, Verkaufszahlen, Interviews, Veranstalter, Vertragsverhandlungen. Mails, Mails, Mails. Telefon, Telefon, Telefon. Am Spätnachmittag schnell was zu essen machen. Und rasch noch Mal auf den Bewegungsstuhl. Umziehen. Ins Auto. Auf die Straße. Bibliotheken, Bürgerhäuser, Buchhandlungen. Lesen, lesen, lesen. Vorher Lächeln, Palaver. Hinterher Lächeln, Palaver. Signieren. Lächeln, Palaver. Ins Auto. Auf die Straße. Nach Hause. Nach Mitternacht. Ins Bett. Stein auf den Kopf.</p>
<p>Die Zahl der Enttäuschten in meiner Umgebung wächst. Das Ausmaß der Pikiertheit nimmt zu.  Kaum eine Lesung, nach der nicht ein Bekannter auf mich zukommt und mich mit vorwurfsvollen Augen anschaut. IHN habe ich jedenfalls NICHT sofort im Publikum erkannt. SEINE Mail habe ich jedenfalls NICHT beantwortet. Für IHN habe ich jedenfalls NICHT genügend Zeit. &#8220;Und ich dachte mal, wir seien Freunde &#8230;&#8221;</p>
<p>Und? Nichts und! So ist es.</p>
<p>Mahnend zitiert Martin einen Spruch, der bei Sarahs Mutter &#8220;in eingebrannter Schrift auf Holz&#8221; im Flur hing:<br />
<em>Sollen die Raben dich nicht umschrein,<br />
mußt du nicht wollen<br />
Hahn auf dem Kirchturm sein.</em></p>
<p>Wie wichtig, wie lebensnotwendig KOMMUNIKATION sei, hat man unserer Generation eingebleut. KOMMUNIKATION &#8211; das Wort wurde intoniert mit einer Inbrunst, als handele es sich um: Sauerstoff. Oder: frisches Wasser. Wie wichtig, wie lebensnotwendig die Vermeidung von Kommunikation sein kann, hat man uns nicht gelehrt.</p>
<p>Tot ist Henri Jardy, genannt Cornet, der zum Sieger der Tour de France 1904 erklärt wurde, als man den vier Erstplazierten nachweisen konnte, dass sie eine Abkürzung genommen hatten.</p>
<p style="margin-top: 38px; text-align: left;">
<p style="text-align: center;"><img class="aligncenter" style="border: 1px solid black;" title="form follows function" src="http://foto.janseghers.de/2010/2010/Bewegungsstuhl.jpg" alt="" width="260" height="353" /></p>
<p style="margin-top: 38px; text-align: left;">
<p><strong>Mittwoch, 17. März 2010</strong> &#8211; Sechzehnuhreins, vierzehnkommadrei Grad. Die Tür zur Dachterrasse offen. Fast schon Frühling.</p>
<p>Zufällig auf dem Hauptfriedhof das Grab eines Horst Slesina entdeckt. Zu Hause den Namen in die Suchmaschine eingegeben und auf ein Buch gestoßen, dessen Titel genauso lautet wie die Aufschrift auf dem Grabstein des Autors: &#8220;Die Fährte des Löwen&#8221;. Das Buch bestellt, erhalten und gelesen und dabei einem deutschen Saftsack ganz eigener Güte begegnet. Als einer der führenden Werbeleute hat er für Mercedes Benz gearbeitet (&#8221;Ihr guter Stern auf allen Straßen&#8221;), für die Zigaretten-Industrie (&#8221;Aus gutem Grund ist Juno rund&#8221;), für Brauereien (&#8221;Prost Henninger &#8211; das schmeckt&#8221;) und für die CDU. Dass er zuvor einer der eifrigsten Hörfunk-Propagandisten der Nazis gewesen ist, erfüllt ihn noch 1993, als seine Erinnerungen unbeanstandet im Universitas Verlag erscheinen, mit Stolz: &#8220;Die Menschen sollten nur noch als Masse gelten, und die Diktatur des Proletariats sollte die Wahnideen des Marxismus dem Staat und den Menschen aufzwingen, bis alles in hoffnungslos grauem Dahinvegetieren endete. Den offenen Kampf dagegen nahmen die nationalsozialistischen Sturmbatallione auf &#8230; Ihre geistigen Führer legten ein Programm vor, das für die Würde und Individualität des Menschen stand, für die Verteidigung der abendländischen Kultur, für eine humane Wirtschaft und das Bekenntnis für das Recht des deutschen Volkes auf einen ihm gemäßen Rang unter den Völkern.&#8221;</p>
<p>Nachdem Ulrich Maurer von der Linken das so genannte  Parteiensponsoring  kritisiert hat, wirft sich der CDU-Abgeordnete Ingo Wellenreuther für seine Herren ins Zeug: &#8220;Es ist unerträglich, dass Sie wieder einmal bei den Bürgerinnen und Bürgern in Deutschland bewusst den Eindruck erwecken, man könne in unserem Land politische Entscheidungen kaufen.&#8221; Als ob es dazu einer Opposition bedurft hätte. Als handele es sich um einen: Eindruck.</p>
<p>Seltsame Angewohnheit, die mir erst jetzt auffällt: Dass ich bei den meisten Zeitungsartikeln zuerst Titel und Untertitel lese, dann den letzten Absatz, irgendwo in der Mitte noch einmal schnuppere, um erst dann zum Anfang zu springen.</p>
<p>Luchino Visconti ist tot.</p>
<p style="margin-top: 38px; text-align: left;">
<p style="text-align: center;"><img class="aligncenter" style="border: 1px solid black;" title="Saftsack" src="http://foto.janseghers.de/2010/2010/Saftsack.jpg" alt="" width="220" height="297" /></p>
<p style="margin-top: 38px; text-align: left;">
<p><strong>Dienstag, 2. März 2010 </strong>- Sechzehnuhrachtzehn, neunkommadrei Grad. Sonnig.</p>
<p>Was mich noch interessiert:</p>
<p>Die Sonne.</p>
<p>Wie es wäre, einen Tag in der Haut des hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch zu stecken, seine Kleidung zu tragen, mit seinen Augen zu sehen, mit seinem Kopf zu denken, seine Gefühle zu fühlen. Und seine Sätze zu sagen.</p>
<p>Die Ermittlungsakten der Entführung und Ermordung von Jakub Fiszman.</p>
<p>Der Richter, der sich in der Nacht von Sonntag auf Montag im Treppenhaus des Nürnberger Gerichts erhängt hat.</p>
<p>Die Geiselnahme von zwei Siemens-Führungskräften durch Mitarbeiter des Werkes in der Nähe von Lyon.</p>
<p>Die Sonne.</p>
<p>Heute vor einhundertsiebzig Jahren starb in Frankfurt  Samuel Thomas von Soemmering, Anatom und Freund Georg Forsters. Ausgerechnet sein Grab habe ich am Sonntag nicht fotografiert.</p>
]]></content:encoded>
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		<title>Februar 2010</title>
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		<pubDate>Sun, 07 Feb 2010 07:31:40 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemeines]]></category>

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		<description><![CDATA[Dienstag, 23. Februar 2010 &#8211; Siebenuhrachtunddreißig, achtkommadrei. Regen.
Am Samstag gegen 19.30 Uhr in der Alten Oper. Aber, Mist, dieses Konzert beginnt bereits um 19 Uhr. Und:  &#8220;Kein verspäteter Einlass&#8221;. Also verpassen wir &#8220;Sacre du printemps&#8221;, bekommen aber nach der Pause Bruckners Dritte. Die Wiener Philharmoniker und Lorin Maazel. Fast schon erschreckend, wie gut dieses Orchester [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Dienstag, 23. Februar 2010</strong> &#8211; Siebenuhrachtunddreißig, achtkommadrei. Regen.</p>
<p>Am Samstag gegen 19.30 Uhr in der Alten Oper. Aber, Mist, dieses Konzert beginnt bereits um 19 Uhr. Und:  &#8220;Kein verspäteter Einlass&#8221;. Also verpassen wir &#8220;Sacre du printemps&#8221;, bekommen aber nach der Pause Bruckners Dritte. Die Wiener Philharmoniker und Lorin Maazel. Fast schon erschreckend, wie gut dieses Orchester ist.</p>
<p>Endlich Kupers Grab auf dem Hauptfriedhof gefunden. Ein aufgeschlagenes Buch aus Marmor, darauf sein Spitzname: &#8220;Hamlet&#8221;, ein Foto und ein buntes Blechschild mit dem Heck eines rosafarbenen Cadillac und der Unterschrift: &#8220;Standard of the World&#8221;.</p>
<p>Fontanes &#8220;Unterm Birnbaum&#8221; &#8211; Keine sehr reiche Geschichte, das Milieu zu eng gewählt, die Figuren zu beschränkt, der volkstümliche Ton schwer erträglich. Aber zwei schöne Sätze im sechzehnten Kapitel, die klingen wie ein Bibelzitat, ohne eines zu sein: &#8220;Wir wandelten in Finsternis, bis wir das Licht sahen. Aber die Finsternis blieb, und es fiel ein Schatten auf unseren Weg.&#8221;</p>
<p>Lektüre: Fontane &#8220;Unwiederbringlich&#8221;.</p>
<p>Stan Laurel ist tot.</p>
<p style="margin-top: 38px; text-align: left;">
<p style="text-align: center;"><img class="aligncenter" style="border: 1px solid black;" title="Kupers Grab" src="http://foto.janseghers.de/2010/2010/KupersGrab.jpg" alt="" width="420" height="315" /></p>
<p style="margin-top: 38px; text-align: left;">
<p><strong>Samstag, 20. Februar 2010</strong> &#8211; Achtuhrdreiundfünfzig, zweikommasieben. Nach drei sonnigen Tagen wieder grau.</p>
<p>Nach dem Beruhigungsmittel, das mir vor der Narkose verabreicht wird, sehe ich eine Karawane junger Kamele im Abendlicht durch die Wüste trotten. Und später, nach der OP beim Aufwachen und noch für Stunden: die Vision eines riesigen gebratenen Kalbskoteletts.</p>
<p>Abends dann auf dem Gang der Station randaliert, bis mir die Nachtschwester erst eine Ration starker Schlaftropfen verpasst und endlich doch die Fesseln abnimmt &#8230;  Vom Krankenbett aus mit Ch. telefoniert: &#8220;Ich muss hier raus, ich gehe sowieso schon allen auf die Nerven&#8221;. &#8211; Der Pfleger, der es mithört, von weitem: &#8220;Stimmt!&#8221;</p>
<p>Wie ich einmal irrtümlich für einen Privatpatienten gehalten wurde und mich für kurze Zeit im medizinischen Himmel fühlte &#8230;</p>
<p>Drei bis fünf Monate soll es dauern, bis die Schulter wieder voll bewegungsfähig ist. Wenn es wenigstens jemanden gäbe, den ich dafür schlagen könnte &#8230;</p>
<p>&#8220;Die mussten weg &#8211; Feierabend&#8221;, sagte der 72-jährige Rentner aus dem Landkreis Viersen in seinem Geständnis. Er hatte zwei Anwälte und einen Immobiliengutachter erschossen, weil sie &#8211; wie er meinte &#8211; den Verkauf des Hauses seiner Tochter verzögert hatten.</p>
<p>Gestern Dreh mit Simone Jung und dem HR-Team. Konzentriert, lässig, lustig. Und im Archiv in Wiesbaden wieder die Akten zum Fall Helga Matura. Lese mich sofort aufs Neue fest und komme in denselben Rausch wie vor zwei Jahren. Und der freundliche Herr Pult bietet an, auch mal bei einer weniger spezifischen Suche nach neuen alten Fällen zu helfen.</p>
<p>Gelesen: Piwitts traumhaftes Geschichtenbuch &#8220;Heimat, schöne Fremde&#8221;. Walsers &#8220;Mein Jenseits&#8221;. Von Schirachs &#8220;Verbrechen&#8221;.</p>
<p>John Dowland ist tot.</p>
<p style="margin-top: 38px; text-align: left;">
<p style="text-align: center;"><img class="aligncenter" style="border: 1px solid black;" title="Wintertor" src="http://foto.janseghers.de/2010/2010/Wintertor.jpg" alt="" width="260" height="346" /></p>
<p style="margin-top: 38px; text-align: left;">
<p><strong>Dienstag, 9. Februar 2010</strong> &#8211; Siebenuhrvierundfünfzig, minus vierkommaeins. Grau.</p>
<p>Nun, da Helene Hegemann entzaubert ist und Willi Winkler in der SZ das Nötige dazu gesagt hat, fragt man sich doch, wie es zu diesem Schub medialen Irrsinns hat kommen können. Es scheint, als seien jene, die noch vor Jahren die &#8220;Verschwörung der Idioten&#8221; in den Feuilletons beklagten, selbst zu den erfolgreichsten Verschwörern geworden. Und nunmehr auch zu düpierten Idioten.</p>
<p>Gestern im Kammerspiel Racines &#8220;Phädra&#8221; in der Inszenierung von Reese. Fast schon ein Erweckungserlebnis. Richtiges Theater mit richtigen Schauspielern, die in richtigen Kostümen richtige Texte sprechen. Freilich, <em>so</em> könnte, <em>so</em> dürfte man heute nicht mehr schreiben. Aber warum berührt einen das vor 330 Jahren <em>so</em> Geschriebene dann mehr als die meisten Texte heutiger Autoren?</p>
<p>Heute vor zehn Jahren starb in seiner Hamburger Wohnung der Maler Hans Platschek bei einem Schwelbrand, der durch seine brennende Havanna-Zigarre ausgelöst wurde.</p>
<p style="margin-top: 38px; text-align: left;">
<p><strong>Montag, 8. Februar 2010</strong> &#8211; Dreizehnuhrachtunddreißig, minus zweikommanull. Bedeckt.</p>
<p>&#8220;Dein Gott und mein Gott sind das gleiche&#8221;, sagte Kerbalaj. &#8211; &#8220;Alle haben nur einen Gott, nur die Menschen sind verschieden. Welche sind Russen, welche Türken oder welche sind englisch &#8211; es gibt viele Menschen, aber nur einen Gott.&#8221; &#8220;Gut. Wenn sich alle Völker vor dem einen Gott verneigen, warum seht ihr Muselmanen dann in den Christen seit Jahrhunderten euern Feind?&#8221; &#8220;Warum bist du so böse?&#8221; sagte Kerbalaj und umfasste mit beiden Händen den Bauch. &#8220;Du bist Pope, ich Muselmane, du sagst &#8211; ich will essen, ich gebe dir &#8230; Nur der Reiche unterscheidet, welcher Gott deiner ist, welcher meiner ist. Dem Armen ist es gleich. Iß, bitte.&#8221; <em>Aus: Anton Cechov, Ein Duell </em></p>
<p>Todestag von Max Liebermann.</p>
<p style="margin-top: 38px; text-align: left;">
<p><strong>Sonntag, 7. Februar 2010</strong> &#8211; Siebenuhrneunundfünfzig, zweikommadrei. Der Himmel gefleckt mit was Blau drin. Und vor dem Haus im schrundigen Matsch reckt sich das erste frische Grün.</p>
<p>Vor drei Wochen das erste Mal beim Arzt gewesen und immer noch keine haltbare Diagnose. Wahrscheinlich: Abriss einer Schultersehne. Das ganze Procedere ist absurd. Die Kernspintomographie von Freitag auf Dienstag verschoben &#8211; weiter abwarten. Und dann um einen neuen Termin beim Orthopäden betteln.</p>
<p>Über allem Gezeter nicht zu vergessen: Die schöne Moholy-Nagy-Ausstellung in der Schirn, die ich auch wieder verpasst hätte, wenn mich Schimmel nicht verführt hätte.</p>
<p>Mit den beiden Boehnckes zur Vorpremiere der &#8220;Akte Rosenherz&#8221; in die Sektkellerei Bardong nach Geisenheim. Uff, über zweihundert Leute. Läuft wunderbar. Hinterher noch lange gesessen, gegessen, getrunken. Spät. Schwer. Heim.</p>
<p style="margin-top: 38px; text-align: left;">
<p style="text-align: center;"><img class="aligncenter" title="Professore B." src="http://foto.janseghers.de/2010/2010/Boehncke.jpg" alt="" width="190" height="253" /></p>
<p style="margin-top: 38px; text-align: left;">
<p>&#8220;Wer verrückt ist, gehört zu uns&#8221;, habe seine Mutter immer gesagt, erzählt Nemec am Telefon.</p>
<p>Beim Aufräumen das Interview mit Sophie Rois gefunden, die einen hübschen Satz von Pollesch zitiert:  „Draußen tobt der Konsens, während ich hier drinnen versuche, Tradition und Anarchie gleichermaßen aufrechtzuerhalten.“</p>
<p>Aus Stefan Zweigs &#8220;Schachnovelle&#8221;: &#8220;Mit derselben selbstverständlichen Geste, mit der unsereiner in einer Buchhandlung einen angebotenen schlechten Detektivroman weglegt, ohne ihn auch nur anzublättern, trat er von unserem Tische fort und verließ den Smoking Room.&#8221;</p>
<p>Aus Michael Connellys &#8220;Nine Dragons&#8221;: &#8220;There were no surprises left when it came to motivation for murder.&#8221; Obwohl die Schlichtheit, mit der Connelly diesen wirklich spannenden Roman auflöst, schon überraschend ist. Und enttäuschend.</p>
<p>Heute vor 31 Jahren starb Josef Mengele beim Baden.</p>
<p style="margin-top: 38px; text-align: left;">
<p style="text-align: center;">
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		<title>Januar 2010</title>
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		<pubDate>Wed, 13 Jan 2010 08:27:03 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemeines]]></category>

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		<description><![CDATA[Samstag, 23. Januar 2010 - Fünfzehnuhrsechsundfünfzig, minus nullkommafünf. Fast schon wieder dunkel.


Schön, dass Salvador Dalí tot ist.

Donnerstag, 21. Januar 2010 &#8211; Sechsuhrdrei, dreikommazwei Grad. Dunkel. Mit starken Schmerzen aufgewacht.
Istanbul ist eine Stadt, &#8220;die sich täglich neu erfindet&#8221;, und der Winter &#8220;hat uns fest im Griff&#8221;. Zwei Formulierungen, die man beim ersten Hören oder Lesen womöglich [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: left;"><strong>Samstag, 23. Januar 2010 </strong>- Fünfzehnuhrsechsundfünfzig, minus nullkommafünf. Fast schon wieder dunkel.</p>
<p style="margin-top: 38px; text-align: center;">
<p style="text-align: center;"><img class="alignnone" title="Nackt" src="http://foto.janseghers.de/2010/2010/nackt.jpg" alt="" width="308" height="307" /></p>
<p style="text-align: left;">Schön, dass Salvador Dalí tot ist.</p>
<p style="margin-top: 38px; text-align: left;">
<p style="text-align: left;"><strong>Donnerstag, 21. Januar 2010</strong> &#8211; Sechsuhrdrei, dreikommazwei Grad. Dunkel. Mit starken Schmerzen aufgewacht.</p>
<p style="text-align: left;">Istanbul ist eine Stadt, &#8220;die sich täglich neu erfindet&#8221;, und der Winter &#8220;hat uns fest im Griff&#8221;. Zwei Formulierungen, die man beim ersten Hören oder Lesen womöglich pfiffig, wenn nicht immerhin chic finden mag. Werden sie aber &#8211; wie diese beiden in den vergangenen Wochen &#8211; in jeder zweiten Kultur- und Nachrichtensendung wiederholt, sollte es sich für einen Journalisten, der noch einen Rest Berufsehre im Leib hat, von selbst verbieten, sie noch ein weiteres Mal zu verwenden. Wenn es sie denn zusammen überhaupt geben sollte, den Journalisten und die Ehre &#8230;</p>
<p style="text-align: left;">Der freundliche Arzt mit Blick auf das Patientenblatt: &#8220;Na, da haben Sie aber einige Romane geschrieben, seit Sie das letzte Mal hier waren.&#8221;</p>
<p style="text-align: left;">Blutdruck okay, Lungenfunktion okay. Aber ich habe eine schwere Blockade. Nein, nein, nicht im Kopf, sondern in der Schulter &#8230; Eh sich die Konkurrenz zu früh freut &#8230;</p>
<p style="text-align: left;">Gestorben ist im Alter von 102 Jahren der Träger des Bundesverdienst- kreuzes am Bande Walter Jonigkeit. Seine Angehörigen rufen ihm in der Süddeutschen Zeitung nach, was sie von ihm hielten: <em>&#8220;&#8230; er war ein Falter, recht sorglos für sein Alter / Er schaute nicht nach hinten / Oft nippte er mal hier, mal dort, nun war er satt und nun flog er fort &#8230;&#8221;</em></p>
<p style="text-align: left;">Immer noch ein wohliges Gefühl beim Gedanken an den &#8220;Kleinen Abend Glück&#8221; letzten Freitag in Herborn. Volles Haus. Gute Stimmung. Viele CDs verkauft. Danke, Guntram! Wir waren aber auch gut, gell Ati?!</p>
<p style="text-align: left;">Am 21. Januar 1963 starb in Stuttgart der unglaubliche Franz Jung. Was für ein Mann, was für ein Leben &#8230;</p>
<p style="margin-top: 38px; text-align: left;">
<p style="text-align: left;"><img class="aligncenter" title="Flatterhaft" src="http://foto.janseghers.de/2010/2010/Nachruf.jpg" alt="" width="500" height="382" /></p>
<p style="margin-top: 38px; text-align: left;">
<p style="text-align: left;"><strong> </strong></p>
<p style="text-align: left;"><strong>Mittwoch, 13. Januar 2010</strong> &#8211; Neunuhrzwei, minus dreikommasieben. Immer noch alles weiß.</p>
<p style="text-align: left;">Am Montag vor einer Woche in Florenz gelandet. Dass ich vom Autoverleiher statt eines Fiat einen Citroen erhalte, nehme ich als gutes Zeichen. Im Schneesturm nach Siena. Hotel <em>Il Chiostro del Carmine,</em> ein Kloster aus dem 14. Jahrhundert. Es regnet jeden Tag. Liege auf dem Bett. Lese Effi Briest. Schaue Fernsehen. Schlafe viel. Die Voltaren von M. sind meine Rettung. Samstag im Regen zurück. Bekomme einen der beiden Flüge, die nicht gestrichen wurden.</p>
<p style="text-align: left;">In Belgien ist der Lehrer Ronald Janssen aus Loksbergen (Provinz Limburg) festgenommen worden. Er steht im Verdacht, ein Serienmörder zu sein.</p>
<p style="text-align: left;">Lektüre: Connellys &#8220;Scarecrow&#8221; und Nürnbergers &#8220;Fontanes Welt&#8221;.</p>
<p style="text-align: left;">Todestag von James Joyce.</p>
<p style="margin-top: 38px; text-align: left;">
<p style="text-align: left;"><img class="aligncenter" title="Siena Wand" src="http://foto.janseghers.de/2010/2010/SienaWand.jpg" alt="" width="520" height="251" /></p>
]]></content:encoded>
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		<title>Dezember 2009</title>
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		<comments>http://www.janseghers.de/?p=628#comments</comments>
		<pubDate>Sat, 19 Dec 2009 07:15:08 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemeines]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.janseghers.de/?p=628</guid>
		<description><![CDATA[Mittwoch, 30. Dezember 2009 &#8211; Zwölfuhrzwanzig, neunkommafünf. Neblig, grau, feucht.
Will zum ersten Mal ins Gesichtsbuch schauen und werde solcherart begrüßt: &#8220;Facebook ermöglicht es dir, mit den Menschen in deinem Leben in Verbindung zu treten und Inhalte mit diesen zu teilen.&#8221; Och nö, das möchte ich dann doch lieber nicht.
Seit über dreißig Jahren versuche ich, Theodor [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Mittwoch, 30. Dezember 2009</strong> &#8211; Zwölfuhrzwanzig, neunkommafünf. Neblig, grau, feucht.</p>
<p>Will zum ersten Mal ins Gesichtsbuch schauen und werde solcherart begrüßt: &#8220;Facebook ermöglicht es dir, mit den Menschen in deinem Leben in Verbindung zu treten und Inhalte mit diesen zu teilen.&#8221; Och nö, das möchte ich dann doch lieber nicht.</p>
<p>Seit über dreißig Jahren versuche ich, Theodor Fontane zu lesen. Dass es mir nie gelungen ist, empfinde ich als persönlichen Defekt. Heute Morgen nun, nachdem die dicke Kleiber-Biografie beendet ist, mit der Lektüre von &#8220;Effi Briest&#8221; begonnen und sofort gezappelt vor Begeisterung. Schaue nach, wann Fontane geboren ist &#8230; und &#8230; nee, oder? &#8230; heute auf den Tag vor 190 Jahren!</p>
<p>Gerade im Autoradio Gustav Holsts &#8220;Planets&#8221; gehört. Was für eine schauderhafte Musik, selbst unter dem Dirigat des großartigen Charles Mackerras.</p>
<p>Todestag von Waldemar Mueller, Hermann Paul Müller und Heiner Müller.</p>
<p style="margin-top: 38px; text-align: left;">
<p style="text-align: center;"><img class="aligncenter" style="border: 1px solid black;" title="DuPré?" src="http://foto.janseghers.de/2009/09/Dupre.jpg" alt="" width="492" height="274" /></p>
<p style="margin-top: 38px; text-align: left;">
<p><strong>Dienstag, 29. Dezember 2009</strong> &#8211; Zwölfuhrzwei, dreikommaacht. Grau. Schmerzen in Nacken und Arm. Seit Wochen.</p>
<p>Gestern auf 3sat eine halbstündige Einführung in den &#8220;Fidelio&#8221;. Bleibe dran, um womöglich doch etwas zu lernen.<br />
Und tatsächlich: Ich lerne,  dass mir auf diesem Sender ein stammelnder Zausel namens Freya Klier die Welt und die Kunst auf dem Niveau eines Einzellers erklären darf, dass Beethoven seine Oper geschrieben hat, um die DDR zu Fall zu bringen und dass der Komponist, weil er alle Zwänge hasste, sich gerne nackisch gemacht hat &#8211; was mir prompt auch visuell zugemutet wird.<br />
Man fragt sich, warum jemand wie Jürgen Schindler, der Macher dieses Films,  der so kulturfern, so bar jeden Geschmacks und jeder historischen Kenntnis ist, sich ausgerechnet in diesem Metier blamieren wollte. Und wie verkommen eine Redaktion sein muss, dass sie sich nicht entblödet, einen solchen Scheißdreck zu senden. Gebt mir ein Glas Wasser &#8230;!</p>
<p>Auf der <em>International Movie Database</em> mal geschaut, was unter dem Stichwort &#8220;Jürgen Schindler&#8221; zu finden ist: &#8220;Sie und er im Rausch der Wollust&#8221;, &#8220;Wilder Sex junger Mädchen&#8221;, &#8220;Summer of Love &#8211; Freie Liebe&#8221;, &#8220;Sex&#8217;n'Pop &#8211; Spice up your Life&#8221;.<br />
Na dann &#8230;</p>
<p>Tot ist Jacques-Louis David.</p>
<p style="margin-top: 38px; text-align: left;">
<p><strong>Montag, 28. Dezember 2009</strong> &#8211; Vierzehnuhrsechzehn, sechskommanull. So gemischt der Himmel &#8230; mit was Blau dabei.</p>
<p>Lustig, wie Patti Smith mit ihrer Crew auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof in Berlin am Grab von Bertolt Brecht herumturnt. Ist aber nur im Bonus-Material von &#8220;Dream of Life&#8221; zu sehen. Und ewig lange suche ich wieder nach der Aufnahme des wunderschönen Reggae aus dem Abspann. Heißt offensichtlich &#8220;Ps-alm&#8221;; die Lyrics bestehen aus Psalmentexten. Aber das Stück scheint es tatsächlich nur in diesem Film zu geben.</p>
<p>Wenn ich von jemandem höre, er sei von Beruf &#8220;Lebensberater&#8221;, stelle ich mir auf Anhieb einen ganz und gar verzweifelten Menschen vor.</p>
<p>Auf <em>amazon.de</em> in die Stücke von &#8220;Adoro&#8221; reingehört. Selten so gelacht &#8230; Fünf Knödel in Anzügen!</p>
<p>Die Autobiografie eines Menschen, der Bescheidenheit behauptet. Ihr Titel: &#8220;Zum Beispiel Ich&#8221;.</p>
<p>Carlos Kleiber auf die Frage, ob er nicht Lust habe, mal ein Jugendorchester zu dirigieren: &#8220;Ich will einen Rolls Royce fahren und kein Auto konstruieren.&#8221;</p>
<p>Am 28. Dezember 1925 nahm sich Sergej Jessenin im Leningrader Hotel &#8220;Angleterre&#8221; das Leben.</p>
<p style="text-align: center;"><em>Hand und Wort? Nein laß &#8211; wozu noch reden?<br />
Gräm dich nicht und werd mir nicht so fahl.<br />
Sterben -, nun ich weiß, das hat es schon gegeben;<br />
doch: auch Leben gabs ja schon einmal.</em></p>
<p style="margin-top: 38px; text-align: left;">
<p style="text-align: center;"><img class="aligncenter" style="border: 1px solid black;" title="Mahnender Handschuh" src="http://foto.janseghers.de/2009/09/Mahnender Handschuh.jpg" alt="" width="280" height="373" /></p>
<p style="margin-top: 38px; text-align: left;">
<p><strong>Mittwoch, 23. Dezember 2009</strong> &#8211; Elfuhrvierundvierzig. Fünfkommazwei. Fleckig, matschig, bedeckt.</p>
<p>Samstag konzentrierter, guter Auftritt im Autorentheater. Sonntag nach Nordhessen und abends im Schnee zurück. Auf der A 7 in den Kasseler Bergen brauchen wir für zehn Kilometer vier Stunden. Montagabend <em>Kennwort Kino</em> &#8211; Fünf deutsche Schauspieler im Porträt. Hier tobt sich grinsend die eitle Dummheit des Berufsstandes aus. Am gruseligsten August Diehl. Mit wie viel ungewohnter Freiheit er bei Tarantino einen Nazi habe spielen dürfen &#8230;</p>
<p>Gestern Morgen nach Königstein, zwei Stunden bunte Wonne im Kurbad. Mittags ins Städel &#8211; die Botticelli-Ausstellung. Schöner als erhofft. Und während wir durch den Barock-Saal stromern, wird dort Sylvia von Metzler gerade von Deutschlandradio Kultur interviewt. Abends durch Schneematsch und Regen zu Jörg, wo wir mit Nudeln und Wein in seinen Geburtstag rutschen. Nach Mitternacht glücklich zurück.</p>
<p>Schönes Wort von Jürgen: entschwoben.</p>
<p>Lektüre: Die dicke Kleiber-Biografie von Alexander Werner.</p>
<p>Alban Berg ist tot.</p>
<p style="margin-top: 38px; text-align: left;">
<p style="text-align: center;"><img class="aligncenter" title="20-12-09" src="http://foto.janseghers.de/2009/09/20-12-09.jpg" alt="" width="220" height="293" /></p>
<p style="margin-top: 38px; text-align: left;">
<p><strong>Samstag, 19. Dezember 2009</strong> &#8211; Siebenuhrachtundvierzig, minus zwölfkommasieben. Dämmert. Die Dächer weißlich.</p>
<p>Hat sich ganz schön was angesammelt vor dem Eingang der Geisterbahn, oder? &#8211; Tja! &#8211; Und? Was machen wir jetzt damit? &#8211; Nix! Liegen lassen! Vergessen!</p>
<p>Gestern einfach mal so im Schnee am Friedhof vorbei zur U-Bahn. Einfach mal so in die Stadt gefahren und ins Alte Café Schneider gegangen. Einfach so mit Martin Lücker getroffen und zwei Stunden so pausenlos schön geplaudert, wie ich es sonst mit kaum jemandem kann. Dann bei Rossmann ein neue Ladung Brillen gekauft. Dann frisches Geld gezogen. Dann Gurke gekauft, dann wieder in die U-Bahn, dann wieder zwischen den nun dunklen Gärten und dem Friedhof nach Hause &#8230;</p>
<p>Einfach. So. Einfach.</p>
<p>Abends schwer müde, aber ein bißchen Schauen geht noch, oder? Die DVD mit Beethovens Vierter und Siebter. Das Concertgebouw unter Carlos Kleiber. Ein siebzigminütiger Glücksschub. Und jeder zu beneiden, dem das noch bevorsteht.</p>
<p>Heute Nachmittag noch Mal Probe mit Atilla und um 20 Uhr dann Auftritt im Frankfurter Autorentheater in der Brotfabrik: &#8220;Ein kleiner Abend Glück&#8221;.</p>
<p>Mastroianni ist tot.</p>
<p style="text-align: center;"><img class="aligncenter" title="Im Café Schneider" src="http://foto.janseghers.de/2009/09/ImCaféSchneider.jpg" alt="" width="222" height="295" /></p>
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		<title>November 2009</title>
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		<pubDate>Mon, 23 Nov 2009 04:50:08 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Samstag, 28. November 2009 &#8211; Achtuhrundsieben, siebenkommafünf Grad. Blau, rot, grau der Himmel.
Nach der Nachricht aus Baunatal die Polenreise abgesagt.
Gestern Abend mit B. in den Keller. Musikauswahl zum Liebesprogramm. Bis deutlich nach Mitternacht. Macht Spaß, wird gut.
Über die neue Familienministerin heißt es: &#8220;Bereits mit 14 Jahren trat sie in die Junge Union ein, als glühender [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Samstag, 28. November 2009</strong> &#8211; Achtuhrundsieben, siebenkommafünf Grad. Blau, rot, grau der Himmel.</p>
<p>Nach der Nachricht aus Baunatal die Polenreise abgesagt.</p>
<p>Gestern Abend mit B. in den Keller. Musikauswahl zum Liebesprogramm. Bis deutlich nach Mitternacht. Macht Spaß, wird gut.</p>
<p>Über die neue Familienministerin heißt es: &#8220;Bereits mit 14 Jahren trat sie in die Junge Union ein, als glühender Helmut Kohl-Fan.&#8221; Wahrhaftig, Kindheiten gibt es &#8230; Schicksale &#8230;</p>
<p>Die Lügen in der Schwarzgeld-Affäre, die für verrückt erklärten Steuerprüfer, der Rausschmiss des ZDF-Chefredakteurs. Vielleicht wird man dem hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch und der ihn umgebenden Bande einmal dafür zu danken haben, dass sie es waren, die das Fass zum Überlaufen brachten. Gott, was für Fressen aber auch &#8230;</p>
<p>Aber stimmt schon, was gerade irgendwo zu lesen war: Nicht Koch ist das Problem, sondern jene, die zu feige sind, sich ihm in den Weg zu stellen. </p>
<p>Poppo von Paderborn ist tot. Und Enid Blyton.
<p style="margin-top: 38px; text-align: left;"></p>
<p><strong>Montag, 23. November 2009</strong> &#8211; Fünfuhrachtzehn, achtkommaneun. Dunkel. Der Boden unter den Straßenlampen ein wenig feucht. Um kurz vor vier wach geworden vom Getröpfel auf die Fensterbank und vom heftigen Sturm. Mal ein scheues Haupt in die Welt strecken, immer bereit, es sofort wieder einzuziehen.</p>
<p>Weiß gar nicht mehr recht, wie das hier geht, wie es sich anfühlt, dieses kurze, rasche Hinlangen &#8230;</p>
<p>Mail-Stau auf dem Rechner. Alles nach hinten geschoben. Wie auch die Verabredungen, Verpflichtungen, Versprechungen. Langsam abarbeiten.</p>
<p>Das Schönste in den letzten Wochen: Nicht ans Telefon zu gehen und kein schlechtes Gewissen dabei zu haben.</p>
<p>Immer noch ganz aufgebracht von diesem dreisten Typen, der mich am Freitag nötigen wollte, in seinem &#8220;Polenta-Club&#8221; zu lesen. Überhaupt kam ich mir vor, wie am Nasenring vorgeführt. Schön dann aber, mit U. und Ch. und Ch. so verschwörerisch in der Küche zu stehen, zu wispern, zu lachen &#8230; Diebisch!</p>
<p>Und gestern dann, dieser aufs Angenehmste verplauderte Tag in der Nachbarschaft &#8230; So lässt es sich genesen.</p>
<p>Im Prospekt eines Weinhändlers lese ich über einen Winzer: &#8220;DER Shootig Star in Spanien, mit den höchstbewertesten Weinen aus Südspanien!&#8221; Abgesehen von den anderen Fehlern in diesem Unsatz: das Wort <em>höchstbewertesten</em> ist ein so hübscher Ausdruck verschlampten Denkens, das man es den Kindern zur Mahnung in jedes Lesebuch aufnehmen sollte: wert, werter, am Allerwertesten!</p>
<p>Mäandernde Lektüren: Maupassant, Capote, Walsers <em>Fliehendes Pferd</em>, Cechov, Carson McCullers, Tabucchi &#8230;</p>
<p>Louis Malle ist tot. Seiner zu gedenken, ist aus vielen Gründen angenehm.</p>
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